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[Buch] Richard Morgan – Das Unsterblichkeitsprogramm Juli 15, 2008

Posted by grasimar in Science Fiction.
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Autor: Richard Morgan
Verlag: Heyne, München
ISBN: 3-453-87951-1
Taschenbuch – 606 Seiten – 9,90 EUR

Cover

Wir schreiben das 26te Jahrhundert und die Menschheit hat nicht nur das Universum erschlossen, sondern auch ein Gebiet, dass bisher nur den Religionen vorenthalten war: das Leben nach dem Tod. Es ist den Wissenschaftlern gelungen die Seele des Menschen in Daten umzuwandeln, die nun gespeichert und nach belieben in menschliche Hüllen, Sleeve genannt, transferiert werden können. Als Speichermedium dient der kortikale Stack, der am Nacken befestigt und am Nervensystem angeschlossen ist. Solange beim Todesfall dieser Stack unbeschädigt bleibt, kann die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen entnommen werden und in eine neue Hülle geladen werden. Wird dieser Stack zerstört, so kommt es zum realen Tod und die Existenz der betroffenen Person erlischt endgültig.
Nur wer genügend Geld und Macht zur Verfügung hat, kann es sich leisten, dass sein Bewusstsein extern gespeichert und in regelmäßig geupdated wird. Diese Menschen, die Meths von Methusalem, sind mitunter schon mehrere Jahrhunderte alt und neigen dazu die Welt und die Menschen als ihr Spielzeug zu betrachten.
Einer dieser Meths ist der Milliardär Laurens Bancroft, der eines Tages Tot und mit zerstörtem Stack in seiner Penthouse Wohnung aufgefunden wird. Da sein letzter Update einige Tage vor seinem Ableben gemacht wurde, kann er sich nicht an die Zeit unmittelbar vor dem Vorfall erinnern. Die Polizei geht von Selbstmord aus und schließt den Fall ab. Mit diesem Ergebnis ist Bancroft allerdings nicht zufrieden und engagiert einen Privatdetektiv, der seinen Tod untersuchen soll. Dieser Mann, Takeshi Kovacs, ist der Held, oder besser gesagt der Hauptprotagonist dieses Buches. Als ehemaliges Mitglied des Envoy Corps – eine mobile Einsatztruppe der UN Regierung, die für schwierige Einsätze auf fremden und rebellischen Planeten gegründet wurde -, ist Kovacs gewohnt in immer neue Körper gesleevt zu werden. Seine Persönlichkeit wird von seinem Heimatplaneten Harlans Welt, per Needlecast auf die Erde gesendet, wo er in den Körper eines Ex-Polizisten landet, dessen Geist im Daten Gefängnis festsitzt und dessen Körper mit einem Neurachem ausgerüstet ist, eine biologische Verbesserung der Physischen Eigenschaften.
Das Angebot von Laurens Bancroft kann Kovacs nicht wiederstehen und nimmt es an. Im laufe der 600-seitigen Geschichte dringt er nun immer tiefer in einem Sumpf aus Intrigen, in dem verschiedene Mächte versuchen ihre Interessen zu bewahren.

„Das Unsterblichkeitsprogramm“ – im Original „Altered Carbon“ -, ist ein Cyberpunkroman par excellence, der den Leser in eine düstere Zukunftsvision entführt und ihn von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Das Erstlingswerk von Richard Morgan ist eine gelungene Synthese aus Cyberpunk und einer Detektivstory, wie man sie aus der Film Noir Ära kennt.
Schonungslos direkt erleben wir die Abenteuer von Takeshi Kovac, der nicht der liebe, nette Held von nebenan ist, sondern ein eigenwilliger, gewaltbereiter und rachsüchtiger Kerl, der versucht sein Ding durchzuziehen und dabei so einiges persönlich nimmt.
Die Geschichte wird aus der ersten Perspektive erzählt, was dem Leser erlaubt die Eigenarten der Erde des 26ten Jahrhundert zusammen mit dem Protagonisten zu entdecken. Auch das Netz der Intrigen, das sich langsam um Kovacs herum aufbaut, gewinnt durch die Wahl dieser Perspektive an Tiefe, da wir nur die Hinweise kennen, die auch Kovacs im laufe des Ereignisse sammelt.

Die Sprache des Romans ist wie der Protagonist, unterkühlt, rau und dreckig.
Teilweise erinnert die Grundstimmund sehr stark an die Werke Raymond Chandlers. Gerade die kompromisslose Darstellung von Gewalt und der erotischen Passagen des Buches, haben es in sich und sind nichts für schwache Nerven. Doch sind es auch diese Stilmittel, die aus dem „Unsterblichkeitsprogramm“ ein sehr intensives Erlebnis macht, das während des Lesens düstere Bilder im Kopf des Lesers erschafft und in seiner Ausarbeitung sehr cineastisch wirkt.
Kein Wunder, dass sich Joel Silver die Filmrechte zu diesem Roman gesichert hat.

Selten wurde das Debüt eines Science-Fiction Autors so gefeiert wie „Das Unsterblichkeitsprogramm“. Die Presse überschlug sich vor Begeisterung und mit dem Philip K. Dick Award für den besten Roman des Jahres, gab es auch schon eine Auszeichnung.
Richard Morgan wurde 1958 in Norwich, England geboren. Er studierte Englisch und Geschichte in Cambridge und wurde dann Englischlehrer an der Strathclyde Universität in Glasgow. Erst schrieb er neben seiner Tätigkeit als Lehrer, Abends und an Wochenenden, doch heute verdient er sein Geld ausschließlich als freier Schriftsteller.
Neben seinem Erstlingswerk „Das Unsterblichkeitsprogramm“ gibt es inzwischen eine Fortsetzung genannt „Broken Angel“ und ein Wirtschaftsthriller namens „Market Forces“, leider wurden diese beiden Romane noch nicht ins Deutsche übersetzt (wobei zweitgenannter als „Profit“ von Heyne bereits angekündigt wurde).

„Das Unsterblichkeitsprogramm“ ist einer dieser Romane, die man nur sehr schwer zur Seite legen kann. Die Geschichte von Takeshi Kovacs zieht einen sofort in seinen Bann und braucht den unvermeidbaren Vergleich zum Klassiker des Cyberpunks – „Neuromancer“ – nicht zu scheuen. Die Geschichte, die Charaktere, die Sprache, das alles passt einfach zusammen und macht aus diesem Buch, ein außergewöhnliches Lese-Vergnügen.
Freunde des Genre können sich freuen, denn der Cyberpunk lebt wieder.

von X-ZINE

Kommentare»

1. flattersatz - Juli 15, 2008

Danke für die gute Zusammenfassung, klingt interessant. Habe mir die ISBN mal notiert!

2. grasimar - Juli 15, 2008

Das Buch kann ich auch wirklich sehr empfehlen.
Viel Lesevergnügen. :)

3. flattersatz - September 7, 2008

I did it.

Und das Buch hat mir extrem gut gefallen. Danke für den Tip!

4. grasimar - September 8, 2008

Das freut mich!