[Shadowrun] Schattenstädte Juli 31, 2008
Posted by grasimar in Rollenspiele, Shadowrun.trackback
Autor: Rob Boyle
Verlag: Fanpro
ISBN: 3-890-64776-6
Softcover – 192 Seiten – Deutsch – 24,99 EUR
Mit Schattenstädte liegt nun das erste offizielle Quellenbuch (nur) für Shadowrun 4.01D vor, das den Anfang einer Reihe einläutet in denen Städte der Sechsten Welt näher beschrieben werden sollen. Dabei wird jedes Quellenbuch ein bestimmtes Thema haben und wie der Titel Schattenstädte schon erahnen läßt, widmet sich das erste Band einigen Städten in denen das Schattenleben besonders ausgeprägt ist.
Da wir das Glück haben in Deutschland eine eigene Shadowrun Redaktion zu haben, wurde – wie bei manch anderen Quellenbüchern auch – Schattenstädte an den germanischen Markt angepaßt und um eine Städtebeschreibung aus der ADL erweitert.
Mit ganzen 192 Seiten ist das Schattenstädte ein ansehnliches Softcover-Quellenbuch geworden, auf dessen Cover ein Troll und eine Frau das machen, was Shadowrunner auch mal gerne machen, nämlich ballern. Wie auch das Umschlagsbild, wissen die Innenillustrationen zu gefallen und heben sich sehr positiv von dem Misch-Masch aus Zeichnungen ab, die man im Grundregelwerk über sich ergehen lassen mußte. Obwohl viele verschiedene Zeichner am Schattenstädte mitgewirkt haben, wirkt es wie aus einem Guss und transportiert eine sehr düstere Atmosphäre, die durchaus zu den Beschreibungen des Schattenmetrpolen passt.
Auch das neue Layout gefällt mir, wobei es sich jetzt nicht wirklich großartig von dem der letzten 3er Produkte unterscheidet.
In Schattenstädte werden 3 Städte näher beleuchtet (im Umfang von etwa 50-60 Seiten) und noch einmal 3 angerissen. Den Beginn macht Hong-Kong, die asiatische Metropole, die sich in der Shadowrun Timeline von ihrer großen roten Mutter China losgesagt hat, und jede Menge Potential bietet für arbeitswütige Shadowrunner. Die Beschreibung der Stadt deckt eigentlich alle interessanten Bereiche ab (Stadtteile, Schatten, Konzerne, organisierte Kriminalität …) und ist zwar detailliert aber nicht zu sehr, so dass der Spielleiter noch genug Freiräume hat, um seine eigenen Ideen einzubringen. Besonders angetan hat mir hier die Mischung zwischen dem harten Leben auf der Strasse und dem Mystizismus der Stadt mit ihren Drachenlinien und dem offen einzusehenden Astralraum.
Natürlich darf auch die Shadowrun Stadt der ersten Stunde nicht fehlen: Seattle, Emerald City, seit jeher die Heimat zahlloser Shadowrunner, voller Gefahren, Intrigen und guter Abenteueransätze. Warum in den 90ern ausgerechnet Seattle und nicht New-York oder Los-Angeles zu der „Hauptstadt“ von Shadowrun gemacht wurde, das wissen nur die Macher, aber da man sich inzwischen in Seattle ganz gut auskennt, ist die Entscheidung die Stadt in das erste Quellenbuch zu implementieren verständlich und gerechtfertigt.
Nachdem man einen kurzen Blick auf die bevorstehenden Wahlen in Seattle geworfen hat, und somit den Metaplot (die fortlaufende Hintergrundgeschichte) ein wenig vorangetrieben hat, lernt man die vielen Parteien der Stadt kennen mit denen man in Emerald City Bekanntschaft machen kann. Dabei wird natürlich auch berücksichtigt was in den vergangenen Publikationen über Seattle zu finden war. Anschließend werden dem Leser die Stadteile von Seattle und einige interessante Örtlichkeiten näher gebracht. Alles in allem ist das Kapitel lesenwert, wenn es auch meist Altbekanntes bietet und nicht wirklich schafft der Stadt einen neuen Stempel aufzudrücken.
Die letzte ausführliche Beschreibung stammt aus der Feder der deutschen Redaktion und beschäftigt sich mit der Hansestadt Hamburg. Auf 50 Seiten wird sowohl die Stadt, wie auch ihre wichtigsten – zumindest für Shadowrunner – Einwohner, respektive Parteien beschrieben. Das Kapitel geht auch auf die besonderen geografischen Eigenarten der Hansestadt ein und wirft auch einen Blick auf die Rotlichtmeile St. Pauli und deren Eigenarten. Man muß der deutschen Redaktion hier einen guten Job attestieren, denn das Kapitel beinhaltet alles was man braucht, um seine Kampagne, oder zumindest Teile davon, in der Stadt an der Waterkant zu spielen. Dabei gibt es hier jede Menge Ansätze für Runs, so dass der Spielleiter einigen Ideen aus der Lektüre des Kapitels ziehen sollte.
Zu guter letzt werden mit Kapstadt, Caracas und Istanbul noch drei Großstädte unter die Lupe genommen, allerdings nur auf wenigen Seiten.
Ob das Konzept mit den themenbezogenen Städtebüchern aufgeht, wird sich erst mit den zukünftigen Publikationen zeigen. Das vorliegende Schattenstädte konnte mich aber schon einmal größtenteils überzeugen, sowohl vom Äußeren, wie auch vom Inhaltlichen.
Einzig ein paar kleinere Fehler trüben das Lesevergnügen, doch nichts vergleichbares mit dem Lektoratsdebakel des Grundregelwerks. Schattenstädte ist sowohl für alte Shadowrunhasen, wie für Neulinge, die mit der 4. Edition zu Shadowrun gefunden haben, ein empfehlenswerter Kauf. Das erste Quellenband von Shadowrun 4.01D macht auf jeden Fall Lust auf mehr.

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