[Starship Trooper RPG] Grundregelwerk Oktober 14, 2008
Posted by grasimar in D20.trackback
Verlag: Mongoose Publishing
Autor: M. Sprange
ISBN: 1-904-85485-0
Hardcover – 304 Seiten – Englisch – Preis: 41,00 EUR
Bei gewissen Produkte reicht schon der Name, um bei einigen Rollenspieler ein Glänzen in die Augen zu zaubern. So bei mir geschehen, als ich vom Starship Troopers Rollenspiel hörte. Als ein großer Fan des gleichnamigen Films von Paul Verhoeven, konnte ich es mir natürlich nicht entgehen lassen dieses Spiel in die Finger zu bekommen, wo ich doch, wie ich zu meiner Schande zugeben muss, schon den Roman von Robert A. Heinlein nicht gelesen habe. Obwohl ich, wie ich eingangs erwähnte, ein Liebhaber des Starship Troopers Universums (also des Films und der Zeichentrickserie) bin, werde ich das mir vorliegenden englische Grundregelwerk ohne rosarote (oder sollte ich sagen blutrote) Brille besprechen. Das gebietet sowohl meine Ehre als Rezensent, wie auch die Tatsache, dass ich bei Produkten bei denen ich eine gewisse Erwartung habe, eigentlich eher härter ins Gericht gehe, als wenn nur eine geringe oder gar keine Erwartung vorhanden ist.
Bei Rollenspielen ist es wie bei Menschen: oft kommt es auf den ersten Eindruck an.
Obwohl natürlich bei Menschen, wie bei Rollenspielen die inneren Werte zählen, so ist aber doch der erste Blick, der über eine Sympathie oder eine Antipathie entscheidet. Zumindest solange, bis sich die Gelegenheit bietet, den „Inhalt“ zu begutachten.
Der erste Eindruck bei Starship Troopers ist gut. Das 288-seitige Hardcoverbuch, auf dessen Titelbild ein paar Trooper auf eine Schar auf sie zustürmende Bugs schießen, ist solide gebunden und die Seiten sind durchgehend in Farbe gehalten.
Nach der üblichen Einführung geht es direkt in das Basic Training, wo die Grundlagen des Starship Troopers Rollenspiels erklärt werden. Es handelt sich dabei um ein OGL D20 Produkt, für das man nicht die D&D Grundregelwerke benötigt. Es ist sozusagen ein eigenständiges D20 Spiel und kein Hintergrund für D&D oder D20 Modern. Neben den Attributen – bei denen es keine Änderungen gibt – findet man hier einen Abschnitt über die Action Points, eine Regelerweiterung, die dem Charakter durch zusätzliche Würfel erlaubt kritische Situationen zu überstehen. Es scheint als hätte diese Art der Wurfbeeinflussung, die der Heldenhaftigkeit der Charaktere zugute kommt, Schule gemacht, findet man sie jetzt schon in mehreren D20 Produkten.
Die Defenders of the Federation, also die Verteidiger der Föderation, sind natürlich die Charaktere, die bei Starship Troopers vor allem dem kämpfenden Militär angehören, denen die Aufgabe zukommt, die Menschheit gegen die bösen Bugs, riesige insektoide Wesen, die in Schwarmformation über menschliche Kolonien herfallen.
Wie es sich für ein D20 Produkt gehört werden diese Militärs durch Charakterklassen, beziehungsweise durch eine Charakterklasse definiert, denn hier gibt es nur den mobilen Infanteristen und das war’s! Damit nicht alle Charaktere gleich sind, haben die Spieler die Möglichkeit für ihren Soldaten eine Spezialisierung in Form einer Prestigeklasse zu wählen. Da gibt es den Funker, der für die Kommunikation der Gruppe verantwortlich ist, oder den Feldarzt, den Tiertrainer, den Offiziersanwärter oder auch den Scharfschütze. Wie man bei der Klassenwahl bemerkt, handelt es sich bei Starship Troopers um ein reines Military Rollenspiel und dementsprechend sind auch die Fertigkeiten und die Talente, dem Spielstil angepasst und bringen meist Vorteile im Kampfeinsatz.
Da bei Starship Troopers nun mal viel und häufig geschossen wird, ist das Kapitel Armoury and Stores, das sich mit Waffen, Rüstung und Ausrüstung beschäftigt, ziemlich lang und ausführlich. Dabei gibt es natürlich jede Menge Zeichnungen zu bestaunen.
In der Garage finden wir eine kleine Auswahl an Militärfahrzeugen, die bei Einsätzen in unwirtlichen Geländen sehr willkommen sein dürften. Dabei geht das Kapitel auch auf den Fahrzeugkampf ein, egal ob auf dem Boden oder in der Luft.
Der Kampf nimmt bei Starship Troopers aufgrund der militärischen Thematik eine sehr große Rolle ein. Hier geht es nicht darum, Intrigen zu durchschauen oder einen Mörder zu fassen, sondern um das Exterminieren von feindlichen Insekten.
Wer das D20 System kennt, sollte mit den Kampfregeln von Starship Troopers keinerlei Probleme haben. Es gibt natürlich einige Änderungen und Zusätze, doch die groben Züge sind gleich und erlauben somit eine schnelle und dynamische Abwicklung der Kämpfe.
Bei Environmental Hazards geht es um die verschiedenen Umwelteinflüsse, denen die Charaktere auf ihren vielen Planetenreisen begegnen können. Dabei wird an alles gedacht, ob Schwerkraft, atmosphärische Begebenheiten oder Strahlung.
Wie auch im Film gibt es bei dem Starship Troopers Rollenspiel auch psychisch begabte Personen, die mit der Kraft ihres Geistes so einiges bewirken können. Es gibt hier auch eine Charakterklasse und einige Prestige Klassen, die allerdings nur mit Bedacht für Spieler verwendet werden sollten. Vielmehr sind diese Klassen eher für NSCs geeignet.
Weil ein Rollenspiel allein von Regeln nicht leben kann, gibt es einen kurzen Überblick über die Geschichte und die aktuelle Lage der Föderation, den die Charaktere mit Herz und Leben dienen werden. Anschließend gibt es einen Abschnitt über die mobile Infanterie, in der man mehr über den Aufbau der Truppe erfährt, was gerade für einen ehemaligen Zivi wie mich schon sehr wichtig ist, weiß ich doch über das Militär nur das, was man von Wehrdienstleistende so gehört hat. Ferner stößt man anoch auf eine genauere Beschreibung der Flotte, der Luftwaffe der Föderation, und auch auf einige Raumschiffe samt Werte.
Der nächste Kapitel steht ganz im Zeichen des Ausspruchs: „Kenne deinen Feind“.
Hier gibt es ein kleines Potpourri an Bugs, sowie eine kurze Erläuterung der Insekten Psychologie. Als wäre das nicht genug, werden hier auch noch die Skinnies vorgestellt, eine mysteriöse außerirdische Rasse, die sich mit der Föderation angelegt hat. Hätte man getrost weglassen können.
Abschließend gibt es im Grundregelwerk noch eine Beschreibung der Starship Troopers Galaxie samt Planetenbeschreibung und ein Kapitel für den Spielleiter, in dem man verschiedene Kampagnenstile findet. Ganz zum Schluss findet man noch einige Abenteuer, die aber mehr Missionserklärungen bei einem Videospiel gleichen.
Die Lektüre des Starship Troopers Grundregelwerks lässt mich ein wenig zwiegespalten zurück. Einerseits weiß der Hintergrund zu gefallen, andererseits ist Starship Troopers halt ein reines Military Rollenspiel und bietet somit nicht viele Möglichkeiten, außerhalb der Militäreinsätze. Ehrlich gesagt, könnte ich mir nicht vorstellen eine Starship Troopers Kampagne über einen längeren Zeitraum zu leiten. Vielmehr bietet es sich für spaßige und actionreiche One-Shots an, bei denen kräftig geballert und geblutet werden darf.
Auch das Äußere des Starship Troopers Regelbuchs konnte mich nicht restlos überzeugen. Einige der Zeichnungen sind wirklich gelungen, andere wiederum sehen aus wie Buntstiftzeichnungen, die nicht wirklich zu dem Stil des Spiel passen. Layouttechnisch wurde alles ganz ordentlich gestaltet und sieht, bis auf die Buntstiftzeichnungen, sehr professionell aus.
Ob man etwas mit dem Starship Troopers Rollenspiel anfangen kann, hängt vor allem davon ab, ob man dem Military Rollenspiel etwas abgewinnen kann. Handwerklich kann man dem Grundregelwerk nichts vorwerfen; es ein solides D20 Produkt. Wer den Film oder das Buch mochte, sollte sich Starship Troopers auf jeden fall mal genauer anschauen.
Von X-Zine.

Auch wenn ich Starship Troopers als Film mag, im Rollenspiel mag ich Military SciFi nicht. Was mich wundert, ich dachte, es sollte auf dem Traveller-GRW beruhen!?
Die alte Auflage ist ein OGL (-> D20) Produkt, die neue Auflage soll OGL (->Traveller) werden.
Die Romanvorlage bietet übrigens nur wenige, bis keine der selbstironischen und kriegskritischen Elemente des Films. Auch Frauen sucht man vergeblich. Dafür gibt es ganz viel Pathos und die Kampfanzüge, die auch in der animierten Serie auftauchten. Die Skinnies sind übrigens auch aus dem Buch, die werden direkt im ersten Kapitel verdroschen. Der Roman hat mir nicht sonderlich gefallen, da er wirklich unkritisch mit Heldentod, Vernichtung anderer Spezies und dergleichen umgeht. Aber mach dir selbst mal ein Bild, den bekommt man verdammt günstig im Antiquariat.