jump to navigation

[Comic] Auf der Suche nach Peter Pan Juni 18, 2009

Posted by grasimar in Comics.
trackback

Verlag: Cross-Cult
ISBN: 3941248332
Hardcover – 150 Seiten – Preis: 26,00 EUR

CoverWenn man heutzutage an Comics denkt, hat man häufig die amerikanischen Produkte vor Augen, was wohl daran liegt, dass beispielsweise die US-Superhelden aktuell ein sehr beliebtes Thema für die große Leinwand sind. Aber auch Europa hat ein lange Tradition in Sachen Bildergeschichten und eine Vielzahl begabter Zeichner und Autoren vorzuweisen. Gerade im französischsprachigen Raum unseres Kontinents sind Comics äußerst beliebt. Anders als in Deutschland haben sie dort den Stellenwert guter Literatur und werden nicht als Kinderkram abgetan.
Seit Jahrzehnten können französische, belgische und schweizerische Comickünstler mit ihren Werken begeistern, sei es durch ihren besonderen Humor oder einfach nur durch eine gut erzählte und gezeichnete Geschichte.
Der schweizer Comickünstler Cosey gehört ohne Zweifel zu der Riege dieser großartigen Geschichtenerzähler, die es schaffen mit der Kraft ihrer Bilder eine besondere Atmosphäre aufzubauen, die den Leser stets in seinen Bann zieht.
So auch mit „Auf der Suche nach Peter Pan“, einem seiner Klassiker, der jetzt beim Cross-Cult Verlag in neuer Aufmachung erschienen ist.

Das 150-seitige Hardcoverbuch kommt sehr edel daher und man kann den Verlag für die Auswahl des Titelbildes nur beglückwünschen, denn es fängt die Stimmung der Geschichte sehr gut ein.
„Auf der Suche nach Peter Pan“ hat eigentlich mit dem Helden der Kindergeschichte wenig zu tun, zumindest auf den ersten Blick. Denn obwohl Cosey selber zugibt den Titel eher genommen zu haben, weil er ihm klanglich gefiel, besitzt die Geschichte doch einige Motive, die diesen kurzen Satz zu einem passenden Titel machen.
Die Suche ist auch ein zentrales Thema dieser Erzählung. Der Hauptakteur ist der Brite Melvin Woodworth (und nicht Woodsworth, wie irrtümlicherweise im Klappentext steht). Der Schriftsteller hat sich in die Walliser Alpen zurückgezogen, um an einem neuen Roman zu arbeiten. Das ist aber einfacher gesagt als getan, denn er leidet an einer Schreibblockade und seine Gedanken kreisen ständig um seinen Bruder, der vor Jahren an gleicher Stelle auf mysteriöse Weise gestorben ist. Je weiter die Geschichte fortschreitet, umso mehr verquicken sich die Suche nach Inspiration und nach dem was mit seinem Bruder geschah. Als Melvin Woodworth eines Tages die junge Schönheit Evolena (und nicht Evoleta, wie irrtümlicherweise im Klappentext steht) erblickt, wie sie nackt in einem Bergsee badet, nimmt die Geschichte einen neuen Verlauf und entwickelt langsam zu einer geheimnisvollen Liebesgeschichte.
Über all dem schwebt wie ein riesiges Damoklesschwert ein Gletscher, der droht abzurutschen und das Wallisische Dorf, in dem Melvin sich niedergelassen hat, unter sich zu begraben. Das sind die Zutaten aus denen Cosey angenehm unaufgeregt eine Geschichte erzählt, die den Leser schon nach ein paar Seiten vollends packt. Obwohl er dies sehr behutsam – schon fast langsam – tut, kann man gar nicht anders, als die Seite umzuschlagen, um zu sehen wie es weitergeht. Man merkt den Zeichnungen an, dass Cosey selbst die Wallisischen Alpen sehr gut kennt und so gelingt es ihm auch mit Bilderreihen ohne Text den Fortgang der Erzählung auf sehr stimmungsvolle Weise voranzutragen. Dem Epilog von „Auf der Suche nach Peter Pan“ wurde oftmals nachgesagt er sei sehr kitschig und es stimmt. Trotzdem hat es mir gefallen, weil man beim Lesen die Charaktere schon liebgewonnen hat und ihnen dieses Ende auch gönnt.

Der Zeichenstil Coseys wirkt zum Teil ein wenig altbacken, was aber daran liegt, dass der Comic schon 25 Jahre auf dem Buckel hat. Gleichwohl man sagen muss, dass der Stil aber sehr gut zu der Geschichte passt und einen großen Anteil an der dichten Atmosphäre des Bandes beiträgt. Gerade die Landschaftsbilder schaffen es eine Mischung aus Melancholie und Beklemmung zu vermitteln, die den erzählten Geschehnissen sehr zu Gute kommt.

Ergänzt wird die Neuauflage von „Auf der Suche nach Peter Pan“ durch einen ausführlichen Sekundärteil, in dem man beispielsweise erfährt, dass sich Cosey bei Evolena von der französischen Schauspielerin Maria Schneider hat inspirieren lassen. Auch die Übersetzung ist größtenteils gelungen, wenn man mal von den beiden unverzeihlichen Namenspatzern im Klappentext absieht.

Mit freundlicher Unterstützung der: X-Zine

Kommentare»

No comments yet — be the first.